Sind die Twilight-Romane aufgeblähte Schmachtfetzen einer Mormonin? Erfordert Stephenies Meyers adjektivüberladener Stammelstil einen literaturkritischen Exorzisten ?
Ich schreibe es an dieser Stelle nur ungern. Aber zu den Kollegen, deren Humor mich regelmäßig begeistert, gehört auch der Literaturkritiker Denis Scheck. Für den Tagesspiegel (und für seine eigene Fernsehsendung) nimmt er es auf sich, jeden Roman aus der Spiegel-Bestsellerliste zu lesen. Das Resultat sind dann zum Teil sehr vernichtende Urteile. Leider, ich muss es zugeben, auch im Fall von Stephenie Meyer. Es würde mich natürlich interessieren, wie ihr die Sache seht. Kommentiert nur!
Das hier zum Beispiel schreibt Denis Scheck im Tagesspiegel vom Wochenende über den Schlussband der Biss-Tetralogie: Gegen die aufgeblähten Schmachtfetzen der Mormonin aus Arizona helfen scheinbar weder Knoblauch noch Weihwasser oder Silberkugeln. Die Gesamtauflage von Meyers bislang vier Romanen um die prüde Schöne Bella Swan und den höflichen Vampir Edward Cullen beträgt über hundert Millionen Exemplare. Doch erfahrene literaturkritische Exorzisten wissen: Lautes Vorlesen enttarnt den adjektivüberladenen Stammelstil Meyers, ihre totale Unfähigkeit zum Malen von Stimmungen ebenso wie ihr Unvermögen, abstrakte Gedanken darzustellen. Zurück bleibt nur ein von Lachtränen benetztes jämmerliches Häufchen Asche. Denis Schecks ganze Tagesspiegel-Rezension der Bestsellerliste lest ihr hier.
Biss zum ersten Sonnenstrahl kommt bei Denis Scheck nicht viel besser weg. Ich zitiere mal: Bree ist die klassische „damsel in distress“, eine Jungfrau in Bedrängnis, die im Hochzeitskleid Kohlen schippen könnte, ohne dass auch nur ein Stäubchen ihre Makellosigkeit beeinträchtigen würde. Offenbar plagte Stephenie Meyer das schlechte Gewissen, wie lieblos sie diese Figur über die Klinge springen ließ. Doch in dem Versuch, poetische Gerechtigkeit herzustellen, verschlimmbessert Meyer alles. Dieser Roman trieft vor Moral, deren besondere Perfidie gerade darin besteht, dass sie einen Sinn unterstellen muss für einen sinnlosen Tod. Die ganze Tagesspiegel-Rezension der Bestsellerliste lest ihr (immer noch) hier.
Da der Bree-Tanner-Roman immer noch eingeschweißt in meinem Regal liegt, kann ich mich zu Schecks Kritik in dieser Sache erfreulicherweise nicht äußern. Biss zum Ende der Nacht kenne ich auch noch nicht. Aber trotzdem meine ich, hier schon einen vorsichtigen Einwand formulieren zu dürfen. Ich finde Bella gar nicht so prüde, wie immer alle sagen. Sie ist ja sogar ganz ausdrücklich eine Befürworterin von vorehelichem, äh, Körperkontakt. Nur dass Edward immerzu auf die Bremse tritt. Ich wage die Behauptung: Hier irrt Scheck. Was die literarischen Qualitäten angeht, habe ich den Eindruck: Echte Twilight-Fans bringen von sich aus soviel Einfühlung mit, dass Meyers Kunst der Stimmungsmalerei keine Rolle mehr spielt. Stephenie Meyers Adjektive – das müsst ihr mir bitte nachsehen – finde ich auch nicht so originell. Im ersten Band wird zum Beispiel immerzu Edwards schiefes Lächeln gelobt. Schief? Ich finde, das klingt eher uncharmant. Im Original stand sicher ein freundlicherer Begriff.
Mir ist übrigens aufgefallen, dass bei den deutschen Twilight-Ausgaben nach dem ersten Band der Übersetzer ausgewechselt wurde. Ich frage mal beim Verlag nach, was dahintersteckt. Vielleicht nur ein Zufall.